Schöne Tage im Achimer Bootshaus: Klausur des Akademischen Senat 2017

Gepostet am 20. November 2017 um 18:46 Uhr

Der erste Tag
Exzellenz-Initiative
Ganz am Anfang stand zunächst das Thema, dass allen unter den Nägeln brannte: Was folgt nach dem Scheitern der drei Cluster? Wie wird die Uni jetzt weitermachen? Diese Fragen sollten am Donnerstag geklärt werden, weshalb Scholz-Reiter dazu auch gleich einen Vortrag hielt.
Die CDU hat anscheinend erkannt, dass sich die Sache mit der Exzellenz-Initiative auch als Wahlkampfthema benutzen lässt und verlangt vom Rektorat die Herausgabe der DFG-Gutachten an alle Mitglieder der Bremischen Bürgerschaft. Scholz-Reiter hält das jedoch für keine gute Idee, da dies ein Thema sei, dass er lieber mit den betreffenden Forschern direkt besprechen wolle. Zudem sei es noch nie üblich gewesen DFG-Gutachten herauszugeben. Darüber hinaus fordert die CDU von der Uni ein Konzept über die Weiterentwicklung der Uni, um dann über die zukünftige Finanzierung zu entscheiden. Abgesehen davon, dass dieses Konzept sowieso schon verabredet und geplant war, hält Scholz-Reiter das Ganze für eine gute Gelegenheit, um eine bessere Finanzierung der Uni auf die Tagesordnung zu setzten.
Insgesamt erhofft er sich 30 Mio. Euro zusätzlich für die Universität, davon würden 10 Mio. Euro aus der Exzellenz-Initiative stammen, wenn der MARUM-Cluster angenommen wird. Die anderen drei Cluster sind bereits in der ersten Phase gescheitert. Die restlichen 20 Mio. Euro sollten für die Weiterentwicklung von bestehenden Schwerpunkten genutzt werden, damit diese für eine Wiederbewerbung geeignet seien. Dies würde bedeuten, dass das Land Bremen 22,5 Mio. Euro pro Jahr für die Uni bereitstellen würde. Die zuständige Senatorin hat jedoch bis jetzt nur die Mittel zugesagt, die das Land Bremen sowieso im Rahmen einer erfolgreichen Bewerbung bei der Exzellenz-Initiative gezahlt hätte.
Zunächst einmal möchte Scholz-Reiter mit den Cluster-Verantwortlichen über das weitere Vorgehen sprechen. Dabei würde es natürlich auch um die Frage gehen, ob sie sich eine Neubewerbung in sieben Jahren vorstellen könnten. Scholz-Reiter will dies auf jeden Fall, was aber nur mit den bereits bestehenden Bereichen funktionieren könne, da die Zeitspanne von sieben Jahren bei weitem zu kurz für einen völligen Neuanfang sei.
Auch dieses Mal konnten wir nicht die genauen Gründe für das Scheitern der Anträge erfahren. Es wurde zwar betont, dass die Gutachter*innen viele Aspekte der Antragssteller gelobt hätten: Die Einwerbung von Drittmitteln sei vorbildlich; die Forschungsbereiche würden gut zu Bremen passen; die Frauenförderung und Rekrutierung von „wissenschaftlichem Nachwuchs“ sei sehr gut und ebenso sei die Fähigkeit zur Verbandsforschung vorhanden. Schlussendlich sei es an „Kleinigkeiten“ – wie einer nur „sehr guten, aber nicht exzellenten“ Publikationslage – gescheitert. Wahrscheinlich werden wir nie erfahren, welches die genauen Gründe sind.
In der anschließenden Diskussion wurde von einigen Mitgliedern des Akademischen Senats noch einmal betont, dass wir herausragende Forschung nicht alleine von der Exzellenz-Initiative abhängig machen dürften und Alternativen finden müssten. Ebenso sei es nötig, dass sich die Forschung auch auf die Lehre auswirke, damit auch die Studierenden profitieren könnten. Insgesamt gelte es, die Politik für die Arbeit an der Uni zu begeistern und klarzustellen, in wie Bremen von einer starken Uni profitieren könne.
Letztendlich wurde sich darauf geeinigt, dass eine Neubewerbung alternativlos sei. Außerdem solle sich bei gleichzeitiger Überprüfung der Wissenschaftsschwerpunkte auf das MARUM und zwei weitere mögliche Cluster konzentriert werden.

Der zweite Tag
Tenure-Track-Professur
Am nächsten Tag ging es zunächst um die für Studierende eher weniger interessante Tenure-Track-Professur. Dafür sollten am Freitagmorgen einige Leitlinien entwickelt werden. Tatsächlich drehte sich die Diskussion dann hauptsächlich um die grundsätzliche Frage über den Sinn oder Unsinn dieser Art von Verfahren und weniger um die eigentliche Ausgestaltung. Selbst Zimmermann bemerkte, dass die Einführung der Tenure-Track-Professur bereits beschlossen sei. Nun müsse damit gearbeitet werden – ob man wolle oder nicht, was Scholz-Reiter auch noch einmal bekräftigte. Für uns Studierende lässt sich feststellen, dass diese Art von Professur durchaus vorteilhaft sein könnte, da so frische junge Leute eine Chance auf eine Professur beikommen. Mit Blick darauf, dass die Lehre momentan zum Großteil von älteren, weißen Männern mit ähnlichen Ansichten betrieben wird, kann die Tenure-Track-Professur durch junge motivierte Leute frischen Wind bringen. Auf die Frage des „Wie machen wir das?“ wurde am Freitag jedoch leider keine Antwort gefunden.

Universitäre Baumaßnamen
Um die Anwesenden nach dieser Diskussion nicht zu überfordern, gab es erst einmal eine Pause samt obligatorischem Gruppenfoto. Danach ging es mit den weitaus interessanteren zukünftigen Baumaßnamen an der Uni Bremen weiter. Dafür wurden einige Aufsteller mit Bauplänen prä-zentriert, die uns ein ziemlich stolzer Kanzler dann vorstellte. In den nächsten Jahren können wir uns auf einige, ziemliche große Bauvorhaben freuen, die der chronischen Raumnot an der Uni Abhilfe schaffen sollen. Konkret geht es um den Neubau eines MARUM-Gebäudes, was natürlich auch mit der Exzellenz-Initiative zusammenhängt. Viel wichtiger für uns Studierende sollte aber die vollständige Kernsanierung des NW2 sein: Vom alten Gebäude bleibe nur die Beton-struktur übrig, ansonsten werde alles neu gebaut. Entstehen soll so ein Gebäude mit genug Laborräumen für alle Studierenden der Naturwissenschaften, das nicht mehr viel mit dem alten, gewölbeartigen Struktur des jetzigen NW2 zu tun hat. Ebenso bemerkenswert ist der Neubau eines Audimax-Gebäudes, der uns endlich genug Vorlesungssäle und mehr Seminarräume bieten soll. Zusätzlich soll das Gebäude für Tagungen genutzt werden. Insgesamt sei geplant, die Uni in den nächsten Jahren nach Süden, in Richtung NW1, zu den Bahnschienen weiterentwickeln und die Uni somit besser an den geplanten Bahnhof anzuschließen. Dies dürfte vor allem sehr positiv für die pendelnden Studierenden sein. Obwohl die Baumaßnahmen zunächst natürlich sehr teuer seien, werde es sich laut Kanzler langfristig lohnen: Momentan sei die Uni aufgrund der Raumnot gezwungen, einige Gebäude teuer anzumieten, was durch die Neubauten nicht mehr nötig wäre.

Abschlussrunde
In der abschließenden Runde wurde sich ausgiebig gegenseitig für die konstruktiven Diskussionen gelobt und eine Pressemitteilung zur Exzellenz-Initiative besprochen. In dieser wurde noch einmal die Notwendigkeit betont, die zukünftigen Cluster ausreichend zu finanzieren und ambitioniert weiterzuentwickeln. Auch hier ist wieder kritisch zu sehen, dass die Mehrheit im Akademischen Senat die Exzellenz-Initiative als einzige Möglichkeit zur guten Forschung sieht und auch keine grundsätzliche Kritik an dem System des ständigen bundesweiten Wettbewerbes in die Pressemitteilung aufgenommen wurde.

Fazit
Was lässt sich also als Ergebnis dieser zwei Tage festhalten? Das Rektorat sieht weiterhin keine Möglichkeit, eine Alternative zur Exzellenz-Initiative zu finden und wird auch in Zukunft sehr viele finanzielle Mittel dafür einsetzen, noch mehr Geld für wenige Forschungsbereiche zu erhalten. Dafür kann sich der Rektor auf eine breite Mehrheit im Akademischen Senat verlassen. Unter den Tisch fällt wie immer die Lehre, denn über die wurde so gut wie gar nicht geredet. Wichtiger war wie sonst auch, genug Geld für einige spezielle Bereiche einzusammeln und nicht, die Uni ganzheitlich breiter aufzustellen. Positiv sind jedoch die zukünftigen Baumaßnamen an der Uni, die wahrscheinlich nicht mehr alle von uns während ihrer Studienzeit erleben werden. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass an der Uni endlich etwas gegen marode Gebäude und Raumnot getan wird.