Antisemitismus, Sexismus und die Zeitschrift Gegenstandpunkt

Gepostet am 26. Februar 2020 um 09:24 Uhr

Wie eine antisemitische und antifeministische Zeitschrift an der Uni Werbung macht

Überall auf dem Campus – ob in der Mensa oder auf dem Boulevard – fallen Plakate und Flyer der Zeitschrift „Gegenstandpunkt“ (GSP) auf. Geworben wird für Veranstaltungen, die einen „kritischen“ Blick auf aktuelle Themen werfen wollen und die den Kapitalismus als herrschendes System in Frage stellen.

Klingt auf dem ersten Blick doch eigentlich ganz spannend! Aber was genau verbirgt sich hinter dem Label „Gegenstandpunkt“ bzw. hinter „argudiss“, wie es in Bremen heißt?
Wir wollen aufzeigen, dass sich hinter den auffällig kompliziert geschriebenen Texten ein geschlossenes dogmatisches elitär-marxistisches Weltbild verbirgt – angereichert mit antifeministischen und antisemitischen Gedankengut. Wir beziehen uns dabei auf einzelne Vorträge und Texte, auch wenn dies nur Ausschnitte sind, möchten wir Einblicke in das GSP-Weltbild vermitteln und es kritisieren.

Feministische Kämpfe als unnötige Zeitverschwendung

Natürlich weißt der GSP sämtliche Kritik, er sei sexistisch, weit von sich und betrachtet trotzdem jeden Kampf gegen das Patriarchat als kapitalistische Irreführung. Geschlechterungerechtigkeit sind für den GSP bloß ein Nebenwiderspruch. Das heißt, sie erkennen bestehende Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten an, beziehen diese aber grundsätzlich und vollkommen auf Klasse und Kapitalismus.

In Ihrem Text „Juristisch gleichgestellt, moralisch geachtet, schlecht behandelt“ arbeiten sie sich an feministischen Forderungen und Kämpfen ab, und erklären, warum sie diese für falsch halten. Sie wollen dabei wohl Widersprüche aufdecken, es zeigt sich aber, dass sie durch das Patriarchat verursachtes Leid von Frauen* und Queers leugnen und Errungenschaften feministischer Kämpfe der letzten Jahrzehnte sogar an sich kritisieren.

Ein paar Beispiele für den Antifeminismus des Gegenstandpunktes

Den Kampf gegen den Gender-Pay-Gap finden sie überflüssig, weil Lohn generell nicht der erbrachten Leistung entspräche. Die Forderung nach dem Aufheben des „Gender-Pay-Gap“ legitimiere für den GSP also Lohnungerechtigkeit.

Im Abschnitt zum Thema Gewalt gegen Frauen* nennen sie nicht den gesellschaftlichen Sexismus, sondern die Idee eines „Recht(s) auf Liebe“, das Personen verletzt sehen, als Grund für diese Gewalt. Dies lenkt von sexistischer Gewalt ab. Gewalt gegen Frauen wird relativiert, während Gewalt von Frauen überbetont wird:

„Sie reicht von altmodischen Prügeln für die ungehorsame Frau, von weiblicher Revanche durch Beleidigtheit und Psychoterror bis zu extremen Fällen des Ehekriegs und Gattenmord.“

– aus „Juristisch gleichgestellt, moralisch geachtet, schlecht behandelt“ (GSP)

Tatsächlich stirbt in Deutschland etwa jeden dritten Tag eine Frau*, durch partnerschaftliche Gewalt und auch von anderen Formen von Gewalt in Partnerschaften sind Frauen* um ein vielfaches häufiger betroffen. Es handelt sich dabei nicht um „extreme Fälle des Ehekriegs“, sondern um sexistische Gewalttaten und diese Gründe zu leugnen ist verharmlosend.

In allen Texten zu Geschlechterfragen bezieht sich der GSP nur auf zwei Geschlechter, womit die Ungerechtigkeiten gegen queere Personen ignoriert werden. Dies schlägt sich auch in der Ablehnung von gendergerechter Sprache – oder in den Worten des GSP „der Frau nochmal eigens gedenken und ihr die Ehre erweisen“ – nieder, die der GSP als Geschlechtertrennung empfindet.

Zusammenfassend leugnet der GSP also nicht nur Errungenschaften und Wichtigkeit feministischer Kämpfe, sondern ignoriert auch, wie akut Frauen* unter dem Patriarchat leiden und bedroht werden.

Offenkundiger Antisemitismus im Deckmantel der Kapitalismuskritik

Noch auffälliger gestaltet sich der Antisemitismus des GSP. Zwar würde sich Keine*r vom GSP als antisemitisch bezeichnen, ihre verquere Übertragung von dogmatischen Marxismus fixiert sich jedoch auf Israel, von ihnen als „völkisches Regime“ bezeichnet. In seinen Texten scheint es dem GSP besonders wichtig zu sein, ausgerechnet Israel als kapitalistischen Staat hervor zutun. Ein Beispiel dafür ist ein Artikel in der neusten Veröffentlichung: „Israel 2019. Imperialistische Musterdemokratie in zionistischer Mission“. In diesem Text wird unter anderem die Gründung des Staates Israel kritisiert und als besonderes Beispiel eines kapitalistischen Staates dargestellt.

Als Zeitschrift, die immer wieder lautstark betont gegen alle (!) Staaten zu sein, konzentriert sich die vorgeschobene Kapitalismuskritik auffällig häufig an Israel. Auch ist es der einzige Staat dessen Gründung der GSP als illegitim darstellt – typisch für linken Antisemitismus.

Noch direktere antisemitische Aussagen finden sich in älteren Vorträgen, zum Beispiel in „Das Grenzenlose Sicherheitsbedürfnis Israels und sein Nutzen für die Amerikanische Kontrolle der Welt“, gehalten von dem Chefredakteur der Zeitschrift, Peter Decker. In einer Diskussion zu diesem Vortrag fragte Decker zum Beispiel „was soll denn an Auschwitz Besonderes gewesen sein“. Und auch durch andere Aussagen zeigt er, dass er den Holocaust nicht als einzigartiges Verbrechen anerkennen möchte.
Decker ist auch heute noch Chefredakteur der Zeitschrift und hat sich niemals von diesen Äußerungen distanziert.

So zeigt sich, dass der GSP für keine emanzipatorische linke Politik steht und auch keinesfalls Partner für diese sein kann. Eine Zusammenarbeit sollte grundsätzlich ausgeschlossen werden. Der GSP hat auf dem Uni-Campus nichts zu suchen.
Es handelt sich hierbei nicht um inner-linke Grabenkämpfe, stattdessen geht es darum, klare Kante gegen Antisemit*innen und Antifeminist*innen zu zeigen!

Falls nun doch immer noch Zweifel bestehen, ob der GSP denn nun wirklich so schlimm ist, haben wir noch einige Zitate für euch, die alles weitere erübrigen sollten:

„[…] wegen einer Schweinerei die die Juden erfahren haben von den Deutschen – nicht bloß von den Deutschen – hältst du andere Schweinereien für unnötig.“

– Peter Decker (jetziger Chefredakteur des GSP) in der Diskussion nach dem Vortrag „Das grenzenlose Sicherheitsbedürfnis Israels und sein Nutzen für die Amerikanische Kontrolle der Welt im Jahr 2010“

„Der Israelische Staat hat den Zweck sein Volk zu schützen […] und hatte der deutsche NS-Staat nicht auch den Zweck sein Volk zu schützen davor kleingemacht werden vom Ausland und vor dem Bolschewismus?“

– Peter Decker (jetziger Chefredakteur des GSP) in der Diskussion nach dem Vortrag „Das grenzenlose Sicherheitsbedürfnis Israels und sein Nutzen für die Amerikanische Kontrolle der Welt im Jahr 2010“

„Was soll denn an Auschwitz besonders sein?“

– Peter Decker (jetziger Chefredakteur des GSP) in der Diskussion nach dem Vortrag „Das grenzenlose Sicherheitsbedürfnis Israels und sein Nutzen für die Amerikanische Kontrolle der Welt im Jahr 2010“

„Wir kennen aus dem KZ, wie sie da die Leute behandelt haben. Das ist alles ganz normal aus dem Gedanken das Volkstum heraus. Und genau so stehen die Juden heute da“

– Peter Decker (jetziger Chefredakteur des GSP) in der Diskussion nach dem Vortrag „Das grenzenlose Sicherheitsbedürfnis Israels und sein Nutzen für die Amerikanische Kontrolle der Welt im Jahr 2010“