Hochschuldemokratie in Gefahr!

Gepostet am 24. Februar 2021 um 15:56 Uhr

UPDATE: Inzwischen wurde ein Urteil gefällt und dem Präsidium der Goethe-Uni Recht gegeben. Ein weiterer gefährlicher Einschnitt in die Selbstverwaltung der Studierendenschaft!


Solidarität mit den Studierenden und dem AStA der Goethe-Univerität Frankfurt

Der AStA der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main musste sich vor Kurzem unter anderem für zwei vom Studierendenparlament beschlossene Resolutionen vor Gericht verantworten. Der Grund: Das Präsidium der Universität sah in beiden eine Überschreitung des hochschulpolitischen Mandats[i].

Die erste Resolution, „Gegen BDS und jeden Antisemitismus“ (getroffen gemeinsam mit dem fzs, dem Jungen Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, der Jüdischen Studierendenunion Deutschland und dem AStA der Uni Darmstadt) forderte neben der Stärkung studentischen und akademischen Austauschs zwischen Deutschlands und Israel, dass die Sicherheit jüdischer Studierender an deutschen Hochschulen selbstverständlich sein muss[ii]. Diese Resolution wurde von der Hochschulrektorenkonferenz, der auch das Präsidium der Goethe-Uni angehört, in einer Entschließung unterstützt[iii].

Bei der zweiten Resolution handelte es sich um die Einberufung einer studentischen Vollversammlung im Rahmen der Klimastreikwoche von Students for Future, aus der Forderungen für eine sozial-ökologische Transformation an der Uni hervorgehen sollten. Des Weiteren sollte der klimapolitische Diskurs an der Universität gestärkt werden[iv]. Den Angaben des AStAs zufolge hatte das derzeitige Uni-Präsidium noch angeboten, die entsprechende Einladungsmail an alle Universitätsmitglieder zu verschickeni.

Die Leitung der Goethe-Uni unter dem seit Anfang des Jahres neu amtierenden Präsidenten Enrico Schleiff ignorierte aber die Handlungen seiner Vorgänger*innen und unterstellt vor dem Frankfurter Verwaltungsgericht, dass der klare hochschulpolitische Bezug dieser Resolutionen nur vorgeschoben sei. In den Worten von Pia Troßbach, der Referentin für Hochschulpolitik des AStA Frankfurt: „Wenn das Uni-Präsidium eine solche Unterstellung erhebt, zieht es nicht nur die geltende Rechtsprechung in Zweifel, die allgemeinpolitische Äußerungen in einem gewissen Rahmen erlaubt. Es stellt auch unsere hochschulpolitische Arbeit an sich in Frage. Die Lebensrealität von Studierenden lässt sich nicht in Hochschul- und Allgemeinpolitik aufspalten.“

Unseren Solidarität gilt unseren Kommiliton*innen an der Goethe-Uni. Das Verhalten des Universitätspräsidiums untergräbt das Recht des AStAs und des StuPas sich im Sinne der Studierenden zu äußern und diese zu informieren. Für uns ist das ein klarer Angriff auf die studentische Selbstverwaltung. Wir unterstützen die Auffassung, dass die Aufspaltung der Lebensrealitäten von Studierenden in Allgemein- und Hochschulpolitik eine fiktive ist, die in erster Linie dazu dient, konstruktive politische Streitkultur an Universitäten zu unterbinden. Sie verhindert, dass kritische Diskurse zu gesamtgesellschaftlichen Problemen, die Studierende betreffen, auch von diesen geführt werden können. Gerade, wenn solche Diskurse von den Verursacher*innen besagter Probleme unerwünscht sind!


Solidarity with the AStA of the Goethe University Frankfurt am Main

The AStA of the Johann Wolfgang Goethe-University Frankfurt am Main recently had to defend itself in court due to two resolutions passed by the university’s student council. The reason: the presidium of the university saw them as a transgression of the AStAs mandate of university policyi.

The first resolution, „against BDS and all other antisemitism“ (passed together with the free union of student bodies (fzs), the Young Forum of the German-Israeli Society, the Jewish Students’ Union, the AStA of the University of Darmstadt and several parties’ related students unions) demanded the furthering of student and academic exchange between Germany and Israel and that the safety of Jewish life and students must be a given on German campusesii. This resolution was supported by a decision of the German Rectors’ Conference, to which the presidium of the Goethe-University is a partyiii.

The second resolution called for a student general assembly as a part of the climate strike week organized by Students for Future, with the goal of establishing student-mandated demands for a socioecological transformation of the university. Furthermore the discourse on climate politics at the university was to be strengthenediv. According to the AStA, the presidium in power at the time offered to support the general assembly by sending out the eMail invites to all members of the universityi.

The administration of the Goethe-University under the direction of the new president Enrico Schleiff, who is in office since the beginning of this year, is now breaking with the precedent set by his predecessors and now claims before the Frankfurt am Main administrative court, that the clear impact of these resolutions on university policy is only a smokescreen. In the words of Pia Troßbach, speaker on university policy for the AStA Frankfurt: “When leveraging such a claim, the university presidium does not pull into doubt existing legal precedent allowing discussion of general policy issues. It also calls into question our work on university policy as a whole. The lived reality of students cannot be split into issues of university and general policy.” We stand in solidarity with our comrades at the Goethe-University. The actions taken by the university presidium undermine the right of the AStA and the StuPa to publicly speak on behalf of and inform the students they are meant to represent, which clearly constitutes a violation of the right to the students’ self-administration in our eyes. We support the view that to try and split the lived realities of students into issues of university and general public policy is to primarily suppress a constructive culture of political debates at universities, and to prevent critical discourse by students on issues of general public policy that has an impact on their lives, when said discourse is unwanted by those responsible for making it necessary in the first place.


[i] PM: Beschneidung des hochschulpolitischen Mandats durch Präsidium (2021). https://asta-frankfurt.de/aktuelles/pm-beschneidung-des-hochschulpolitischen-mandats-durch-praesidium [abgerufen am 21.02.2021]

[ii] Resolution – gegen BDS und jeden Antisemitismus (2019). https://www.fzs.de/positionen/feminismus-antidiskriminierung/gegen-antisemitismus/ [abgerufen am 21.02.2021]

[iii] Kein Platz für Antisemitismus – Entschließung der HRK-Mitgliederversammlung vom 19.11.2019. https://www.hrk.de/positionen/beschluss/detail/kein-platz-fuer-antisemitismus/ [abgerufen am 21.02.2021]

[iv] Resolution zur Unterstützung der „Students for Future“ Vollversammlung (2019). https://asta-frankfurt.de/aktuelles/resolution-zur-unterstuetzung-students-future-vollversammlung [abgerufen am 21.02.2021]