Unser Wahlprogramm für die Wahl 2020

Auch dieses Jahr haben wir die Wahl, denn bis zum 9. Juli finden an der Uni Bremen die Gremienwahlen statt. Seit über 30 Jahren stehen wir für linke Politik und eine weltoffene und bunte Uni ein und treten natürlich auch dieses Jahr wieder zur Wahl an.

Die Corona-Pandemie hat im Unibetrieb so einiges auf den Kopf gestellt, was uns vor ein paar Monaten noch ganz selbstverständlich schien. Eine starke Vertretung der Studierenden in den Gremien ist deshalb so wichtig wie schon lange nicht mehr. Wir wollen für euch diese starke Stimme sein und mit euch alte und neue Herausforderungen meistern! 

Wir stehen für studierendenfreundliche Lehre – egal, ob digital oder analog. Für ein bezahlbares Studium, das allen offensteht. Für einen Campus auf dem man nicht nur lernen, sondern auch leben kann. Für konsequenten Klimaschutz, der auf allen Ebenen der Universität verankert ist.

Kurz gesagt: Für eine Uni für Alle!


Inhalt

  1. Studieren ist schon schwer genug, die Uni muss es uns nicht noch schwerer machen
    • Selbstbestimmtes Studium ermöglichen!
    • Den Zugang zur Universität erleichtern!
    • Chancengleichheit durch Feminismus und Antirassismus
    • Wir wollen mehr Demokratie wagen
  2. Ein Studium darf nicht vom Geldbeutel abhängen!
    • Studierende finanziell entlasten!
    • Tarifvertrag für Studentische Hilfskräfte
    • Keinen studentischen Wohnraum für Kapitalist*innen!
    • Wir wollen Studierende mobil machen – ganz ohne eigenes Auto!
  3. Keine Kultur ist auch keine Lösung …
  4. Unsere Universität nachhaltig verändern!
    • Infrastruktur und Verwaltung umweltfreundlich gestalten
    • Klimaschutz muss auch in der Lehre stattfinden
    • Nachhaltige Versorgung mit kurzen Wegen
  5. Leben & Lernen – auf dem Campus und @Home
    • Steckdosen sollte man an der Uni nicht suchen müssen!
    • Digitale Medien sind mehr als Spielereien!
  6. Wer wir sind? AStA für Alle!

Studieren ist schon schwer genug,
die Uni muss es uns nicht noch schwerer machen

Statt uns dem Studium unterzuordnen, wollen wir ein Studium, das sich nach den individuellen Lebenssituationen der Studierenden richtet! Unser langfristiges Ziel ist es deswegen, die grundlegende Struktur des Studiums mit ihrer Fixierung auf die Regelstudienzeit zu reformieren und damit auch den gesetzlichen Rahmen (BAföG & Co.) endlich an die Lebensrealität von uns Studierenden anzupassen! Am Ziel des selbstbestimmten Studiums orientieren wir unsere Arbeit in den Gremien der Universität und Studierendenschaft.

Selbstbestimmtes Studium ermöglichen!

An der Uni Bremen gibt es kein formalisiertes Teilzeitstudium, das halten wir für richtig, da es Studierende durch viele Vorgaben eher einschränkt (z.B. darf eine gewisse Anzahl CPs nicht überschritten werden). Stattdessen wollen wir eine weitreichende Flexibilisierung des “normalen” Studiums, die ein Teilzeitstudium überflüssig macht. Die Uni hat hier den richtigen Weg eingeschlagen, wir wollen, dass er konsequent weiter verfolgt wird.

Zu einem selbstbestimmten Studium gehört, dass die Studierenden selber bestimmen können, wann sie seine Prüfungen ablegen. Statt einer Prüfungsordnung, die individuelle Lebensumstände in starre Fristen zwängt, fordern wir eine unbegrenzte Anzahl an Prüfungsversuchen. Das heißt: Keine Zwangsexmatrikulation aufgrund nicht bestandener Prüfungen! Die jetzige Regelung setzt Studierende unnötig unter Druck – wir wollen sie abschaffen.

Ebenso selbstverständlich ist für uns die konsequente Umsetzung des Verbot der Anwesenheitspflicht. Wir sind keine Schüler*innen und können selber entscheiden, wie wir studieren. Dozierende müssen ihre Lehre verbessern und nicht Studierende zwingen an ihr teilzunehmen.

Bei Fällen von schlechter Lehre ist es vielmehr wichtig, dass Studierenden effektive Wege offenstehen, um Verbesserungen einzufordern. Dozierende genießen bei ihrer Lehre große Freiheiten, das sollte sie aber nicht immun gegenüber Kritik machen. Wir wollen deswegen Stugen stärken und sie mit besseren Mitteln ausstatten, um Studierende gegenüber den Professor*innen zu vertreten. Das bedeutet, dass Stugen bei der Weiterentwicklung von Lehrangeboten aktiver einbezogen werden müssen und ihre Kritik an einzelnen Lehrenden nicht nur Gehör findet, sondern auch Konsequenzen hat.

Fast jede*r Student*in kann von Problemen mit dem Prüfungsamt und PABO erzählen. Unser Ziel ist deswegen eine grundlegende Reform des jetzigen Prüfungswesens und eine bessere personelle Ausstattung der Prüfungsämter! Die Anmeldezeiträume müssen stark ausgeweitet werden und Abmeldungen müssen auch kurzfristig vor dem Prüfungstermin möglich sein.

Damit Studierende leichter zu ihrem Recht kommen, müssen diese Rechte transparent gemacht werden. Deswegen wollen wir bessere Beratungsmöglichkeiten an der Uni und verständlich aufbereitete Prüfungsordnungen (z.B. in Form eines FAQ)

Den Zugang zur Universität erleichtern!

Wir wollen keine elitäre Uni, sondern eine Uni, die allen offen steht! Unser Ziel ist es, allen Menschen unabhängig ihres persönlichen Hintergrunds ein Studium in Bremen zu ermöglichen, deswegen fordern wir, dass “Studieren ohne Abi” weiter ausgebaut wird. Dies hilft vor allem Menschen aus einkommensschwachen Haushalten, Arbeiterkindern oder Menschen mit Fluchthintergrund. Natürlich muss sichergestellt werden, dass diese Menschen trotzdem das nötige Wissen für ein Studium besitzen.

Konkret lehnen wir Mindestnoten und NCs ab – sowohl bei Bachelor-, als auch bei Masterstudiengänge! Dazu muss v. a. die Zahl der Studienplätze erhöht werden. Besonders wichtig ist dabei, dass allen, die in Bremen einen Bachelor abgeschlossen haben, auch ein Masterstudiengang zur Verfügung gestellt wird. Zudem kritisieren wir die Praxis, dass es immer nur möglich ist, sich für einen Masterstudiengang an der Uni Bremen zu bewerben. Alternativ wäre ein System vorstellbar, in dem eine Rangfolge erstellt werden kann.

Chancengleichheit durch Feminismus und Antirassismus

Nach dem schrecklichen und brutalen Tod von George Floyd ist Rassismus wieder in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Doch die Diskriminierung von Schwarzen und PoC ist genauso wie die von Frauen, Queers oder Menschen mit Behinderung nicht nur in den USA, sondern auch bei uns auf dem Campus täglich präsent. Rassistische Wortwahl, sexistische Rollenbilder, fehlende Vorbilder oder physische Barrieren sind nur ein paar Beispiele für Diskriminierung, gegen die wir kämpfen wollen. Dazu ist es wichtig, die Selbstorganisierung von Betroffenen auszubauen und Anlaufstellen zu bieten.

Auch in der Lehre ist noch viel zu tun: Diskriminierende Äußerungen von Dozierenden dürfen nicht geduldet werden. Es sollen vielfältige Perspektiven dargestellt werden, statt nur die Texte europäischer Männer in Seminaren zu lesen. Doch Vorbilder sollte es nicht nur in Texten geben: Im Moment sich nicht einmal 30% der Professor*innen Frauen – da geht noch viel mehr.

Auch physische Barrieren machen vielen das Studieren schwer, sie müssen durch bauliche Maßnahmen angegangen werden. Doch für barrierefreies Studieren braucht es noch mehr und gerade die Online-Lehre kann hier Chancen bieten, z.B. durch Untertitel bei Vorlesungsaufzeichnungen. Darüber hinaus müssen Prüfungen angepasst werden, um beispielsweise auch Menschen mit Legasthenie einen Abschluss zu ermöglichen.

Wir wollen mehr Demokratie wagen

Die Studierenden an der Universität Bremen sind die mit Abstand größte Gruppe an der Universität. Deshalb fordern wir mehr demokratische Mitbestimmung! Eines unser größten Ziele ist die sogenannte Viertelparität, mit der die absolute Mehrheit der Professor*innen im Akademischen Senat aufgebrochen wird. Stattdessen sollen die Vertreter*innen der Statusgruppen der Universität (Studierende, Professor*innen, wissenschaftliche Mitarbeiter*innen und Mitarbeiter*innen in Service, Technik, und Verwaltung) über die gleiche Stimmenanzahl verfügen.

Doch auch die studentische Selbstverwaltung, vor allem der Studierendenrat (SR) und der AStA, haben Nachholbedarf. Wir wollen mehr Transparenz, denn Protokolle, Beschlüsse und Berichte des AStAs werden oftmals nur verspätet oder fehlerhaft veröffentlicht. Solche Zustände sind unprofessionell und nicht tragbar, denn interessierten Studierenden wird so der Einstieg in die Hochschulpolitik erschwert. Deswegen wollen wir, dass SR und AStA offener und öffentlicher arbeiten.

Dafür ist dringend ein Öffentlichkeitsreferat erforderlich, mit dem die studentische Vertretung nicht nur gegenüber den Studierenden, sondern auch gegenüber dem Land Bremen präsenter wird. Denn letztlich werden hier die großen Entscheidungen getroffen. Durch Pressemitteilungen, Mobilisierung und persönliche Gespräche sollen unsere Forderungen bis in die Bremer Bürgerschaft reichen!

Ein Studium darf nicht vom Geldbeutel abhängen!

Nicht erst seit der Corona-Krise wird die prekäre finanzielle Situation von Studierenden deutlich. Steigende Mieten, hohe Semestergebühren, eine unzureichende Bafög-Finanzierung und eine hohe Abhängigkeit von der Unterstützung durch die Eltern stellen für viele Studierende eine große Belastung dar und bilden auch zum Teil den Grund, warum einige Menschen ein Studium nicht antreten können oder es abbrechen müssen.

Studierende finanziell entlasten!

Für uns steht fest, dass der Besuch einer Hochschule nicht von der finanziellen Situation des jeweiligen Studierenden abhängen darf! Langfristig bedarf es dafür einer Reform des BAföG-Systems auf Bundesebene hin zu einer elternunabhängigen Förderung, welche sich an der wirklichen Lebenssituation von Studierenden orientiert und auch über die Regelstudienzeit hinaus gewährt wird. Auch ist es wichtig, Studierende bei den Kosten, die vor Beginn eines Studiums anfallen (Umzug, erste Semestergebühren etc.) zu entlasten.

Aber wir sind nicht vollständig auf die Bundespolitik angewiesen, um die Lage der Studierenden in Bremen zu verbessern: Der unaufhörliche Anstieg der Semestergebühren in den letzten Jahren führt zu einer immer stärkeren Belastung von Studierenden in Bremen. Wir fordern daher, dass der Senat hier seine Möglichkeiten nutzt und in Zukunft nicht nur einen weiteren Anstieg verhindert, sondern auch aktiv auf eine Senkung des Semesterbeitrages hinarbeitet. Aus diesem Grund setzen wir uns schon lange für eine Abschaffung des Verwaltungskostenbeitrages ein, wodurch Studierende in Bremen um jährlich 124 € entlastet würden. Die vollständige Abschaffung dieser versteckten Studiengebühren ist überfällig!

Auch an der Uni selbst kann viel für eine finanzielle Entlastung von Studierenden getan werden. Zu nennen sind hier vor allem die für die Kurse notwendigen Materialien. Wir wollen nicht hinnehmen, dass die erfolgreiche Teilnahme an Kursen z.B. mit dem Kauf von teurer Literatur verbunden ist. Eine Lösung sehen wir in der Ausweitung des Onlineangebotes der SuUB und eine entsprechende Nutzung durch die Dozierenden, sodass die Materialien für alle Studierende frei zugänglich sind.

Tarifvertrag für Studentische Hilfskräfte

Seit nunmehr zwei Jahren kämpft das Bündnis TV Stud Bremen nun für einen Tarifvertrag für Studentische Hilfskräfte (SHKs). Wir haben diesen Prozess mit angestoßen und waren so von Anfang an dabei. Es wird Zeit, dass der Tarifvertrag endlich zustande kommt, denn nur so sichern wir langfristig gute Bezahlung und ordentliche Arbeitsbedingungen.

Auf dem Endspurt wollen wir TV Stud noch einmal tatkräftig unterstützen und unter anderem aus der Uni ordentlich Druck auf das bremische Finanzressort aufbauen! Ohne SHKs läuft an der Uni nichts – das muss sich in einem Tarifvertrag widerspiegeln.

Keinen studentischen Wohnraum für Kapitalist*innen!

Die Wohnkosten stellen für Studierende eine erhebliche Belastung dar. Denn besonders die Mieten sind in den letzten Jahren massiv gestiegen. Für Studierende – gerade beim aktuelle Bafög-Satz – ist das häufig nicht mehr zu bezahlen. Als linke Bündnisliste steht für uns fest: Der Markt wird nicht für günstige Mieten sorgen und Wohnungen gehören nicht in die Hände von Kapitalist*innen.

Deshalb setzen wir uns für mehr öffentlichen Wohnraum zentral und direkt am Campus statt privat betriebener Residenzen ein. Den Neubau von Wohneinheiten durch das Studierendenwerk begrüßen wir und werden ihn kritisch begleiten. Allerdings fordern wir von der Uni und der Stadt noch mehr öffentlichen Wohnungsbau für Studierende ein. Zudem werden die aktuell neu gebauten Unterkünfte erst in einigen Jahren fertig und lösen nicht die akute Situation.

Wir wollen Studierende mobil machen – ganz ohne eigenes Auto!

Das solidarisch finanzierte Semesterticket ermöglicht es uns, durch ganz Bremen und Niedersachsen zu fahren. Der Preis für dieses Ticket ist im Vergleich unschlagbar billig, steigt aber seit Jahren an und belastet viele Studierende. Wir wollen deswegen die Preisentwicklung stabilisieren und das Semesterticket langfristig absichern! Das Solidarmodell ist für uns nicht verhandelbar, da es garantiert, dass auch Studierende mit geringem Einkommen einfach und kostengünstig zu Uni kommen. Die eingeschränkten Fahrzeiten der Linie 22 sehen wir in diesem Zusammenhang sehr kritisch, da sie die Erreichbarkeit der Uni vor allem in den Abendstunden verschlechtert.

Neben Bus und Bahn ist für die meisten Studierenden das Fahrrad Fort- bewegungsmittel der Wahl, auch dem wollen wir gerecht werden. Ein großes Problem stellen momentan die fehlenden Abstellmöglichkeiten für Fahrräder dar. Deshalb fordern wir mehr überdachte Fahrradstellplätze. Dabei wollen wir uns auch für eine Reform der Stellplatzverordnung einsetzen, da diese nicht den Ansprüchen von Studierenden gerecht wird! Statt unnötigen Autoparkplätzen wollen wir zentrale Fahrradstellplätze für die Bewohner*innen der Studi-Wohnheime.

Dies alles würde die Benutzung des Fahrrads attraktiver machen und damit auch den insbesondere den in Stoßzeiten stark frequentierten ÖPNV entlasten. Darüber hinaus gibt es in Bremen bereits eine funktionierende Bike-Sharing Infrastruktur – der AStA sollte hier mit Anbieter*innen ein gutes Angebot für die Studierenden verhandeln.

Der Fuhrpark des AStAs wird den Anforderungen vieler Studierender nicht gerecht, die spontan ein Auto brauchen. Außerdem verursacht er hohe laufende Kosten und muss regelmäßig neu ausgestattet werden. Eine einfache Alternative wäre die Zusammenarbeit mit einem Car-Sharing Anbieter, über den alle Studierenden kurzfristig und kostengünstig Zugang zu verschiedenen Autos hätten. Der AStA könnte seinen Fuhrpark so reduzieren und nur noch einen kleinen Bestand für studentische Initiativen vorhalten.

Keine Kultur ist auch keine Lösung…

Ohne Kunst und Kultur bleibt die Uni grau. Das muss aber nicht sein, denn es gibt zahlreiche studentische Initiativen, die sich dem entgegenstellen. Genau solche Initiativen wollen wir stärker fördern, neue Ideen anregen und ihre Finanzierung absichern, damit sie nicht auf private kommerzielle Anbieter angewiesen sind. Denn wir sehen die Uni nicht nur als Lehr- und Lernfabrik, sie ist auch ein Ort (inter-)kulturellen Lebens! Dieser Ort wird von der Uni-Leitung aber immer mehr als zusätzliche Einnahmequelle gesehen. So wird es Studentischen Initiativen immer schwerer gemacht durch z.B. Plakate für sich zu werben, da die Uni gut sichtbare Flächen lieber an Werbeträger oder für kommerzielle Events auf dem Campus vermietet.

Daher setzen wir uns für ein Kulturreferat mit einem angemessenen Budget im AStA ein, das uns Studierende dabei unterstützt, den kulturellen Raum an der Uni zurückzuerobern! Um auf dem Campus unkommerzielle, möglichst kostenlose Angebote für alle zu schaffen, braucht es aber nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch die nötigen Räumlichkeiten.

Auch außerhalb der Uni möchten wir den Studierenden die Teilnahme am Kulturangebot in Bremen ermöglichen. Deswegen setzen wir uns für ein echtes Kulturticket ein, das in Kooperation mit einer Vielzahl von Träger*innen realisiert werden soll. Dazu gehören für uns ein möglichst breites Feld an kleinen und großen Kulturbetrieben, Clubs, Kinos und Theatern. Das Aufkündigen der Partnerschaft mit der Stadtbibliothek für kostenlose Bibliotheksausweise, die in der AStA-Koalition immer wieder diskutiert wird, lehnen wir ab!

Unsere Universität nachhaltig verändern!

Im vergangenen Jahr wurde in einer Vollversammlung aller Studierenden ein Forderungskatalog der Gruppe “Students for Future” beschlossen. Wir als AfA stehen hinter diesen Forderungen. Auf der Vollversammlung wurde der Text durch viele Vorschläge sinnvoll ergänzt. Der AStA wollte sich allerdings nicht verpflichten, alle beschlossenen Änderungen umzusetzen. So wurde die Forderung, dass der AStA seinen Energiehaushalt veröffentlicht oder sich für ein Bike-Sharing System einsetzt, rausgestrichen. Das verhindert nachhaltige Politik! Wir werden die Forderungen in der von der Vollversammlung beschlossenen Version erneut im SR abstimmen lassen und konsequent umsetzen.

Infrastruktur und Verwaltung umweltfreundlich gestalten

Wir wollen, dass sich die Uni nachhaltig aufstellt. So plädieren wir dafür, dass die Universität komplett auf Ökostrom umstellt. Außerdem sollen Neubauten klimaneutral gebaut und Altbauten entsprechend umgebaut werden.

Wir werden darauf achten, dass die Uni jedes Jahr ambitionierte Pläne aufstellt und besonders auf ihren Energiehaushalt achtet. In diesem Zusammenhang wollen wir auch prüfen lassen, inwiefern die Installierung weiterer Solaranlagen auf den Dächern möglich ist.

Klimaschutz muss auch in der Lehre stattfinden

Nicht nur auf dem Campus, auch in der Lehre muss Klimaschutz seinen Platz haben. Deswegen fordern wir mehr Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit. Denn der Klimawandel ist ein Querschnittsthema, das in allen Fachbereichen behandelt werden kann und muss.

Deshalb sollen besonders Professuren zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz vergeben werden. Außerdem müssen Projekte, die sich mit diesem Thema befassen speziell gefördert und unterstützt werden. Als linke Bündnisliste ist uns besonders wichtig, dass kritische Forschung stattfindet und der Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Klimawandel erörtert wird. Wir wollen ein alternatives sozial-ökologisches Gesellschaftsmodell entwickeln – die Uni ist dafür der richtige Ort!

Nachhaltige Versorgung mit kurzen Wegen

Die Essensversorgung auf dem Campus ist oftmals mangelhaft und hat sich in den letzten Jahren noch verschlechtert. So wurde beispielsweise 2018 die Cafeteria im GW1 geschlossen. Damit gehört das GW1 nun zu den vielen Gebäuden, in denen die Versorgung mit dem subventionierten Essen des Studierendenwerks unzureichend ist.

Die Essensversorgung ist zu großen Teilen nur auf dem Zentralcampus angelegt – Studierenden an der Grazer Straße oder am GW1 sind die Verlierer*innen dieser Situation. Denn oftmals lohnt es sich nicht in den 30 Minuten Pausen zwischen den Lehrveranstaltungen in die Mensa zu laufen. Als Alternative bleibt oftmals nur ein einfacher Automat mit Getränken und Snacks.

Wir wollen uns im AS, dem SR und mittelbar im Verwaltungsrat des Studierendenwerks dafür einsetzen, dass das Netz von Cafeterien und Mensen wieder ausgebaut wird. Gleichzeitig müssen sich auch die angebotenen Speisen ändern. Die Anzahl an veganen und vegetarischen Produkten ist häufig unzureichend und wenig abwechslungsreich. Oftmals gibt es beispielsweise in der Mensa nur ein einziges veganes Angebot. Diesen Umstand wollen wir ändern – auch aus einer klimapolitischen Perspektive! Somit soll sich auch das Essensangebot in allen Teilen der Uni an die Studierenden anpassen.

Leben & Lernen – auf dem Campus und @Home

Für die meisten Studierenden spielt sich ein großer Teil ihres Lebens rund um die Universität ab. Wir stehen deswegen dafür ein, den Campus weiterzuentwickeln und die Lerninfrastruktur zu verbessern.

Steckdosen sollte man an der Uni nicht suchen müssen!

In der Uni finden nicht nur Vorlesungen und Seminare statt, sie ist auch ein Lernort für viele Studierende, die Zuhause dazu keine Möglichkeit haben oder einfach die Arbeitsatmosphäre brauchen. Es darf deswegen nicht sein, dass Lernräume in der Bibliothek mittlerweile als Ort für Lehrveranstaltungen fest eingeplant und so Studierende gegeneinander ausgespielt werden! AfA kritisiert die kritische Raumsituation schon seit Jahren: Wir fordern, dass die Universitätsleitung nicht nur neue Gebäude für einzelne Forschungsinstitute baut, sondern für alle Studierende nutzbare Lehr- und Lernräume einrichtet.

Die Uni muss uns Studierenden ausreichend Arbeitsplätze bereitstellen und dabei auch neue Wege gehen, so kann z.B. die Mensa außerhalb der Essenszeiten als Lernort dienen. Mehr Raum für alle muss aber nicht zwingend innerhalb der Uni-Gebäude geschaffen werden. Wir fordern zusätzlich Außenarbeitsplätze mit Platz und Strom für Bücher und Laptop, sowie ein Außen-Audimax, denn bei 30 Grad wollen wir nicht den ganzen Tag drinnen rumhängen. Doch mehr Räume und Arbeitsplätze sind nur ein Teil einer besseren Lerninfrastruktur, genauso wichtig sind z.B. ein flächendeckendes WLAN und überall ausreichend Steckdosen.

Digitale Medien sind mehr als Spielereien!

Die Lehre an der Uni muss mit der Zeit gehen und die Möglichkeiten digitaler Medien ausnutzen. Klar ist: Digitale Elemente machen die Lehre nicht automatisch besser, können sie aber sinnvoll ergänzen und so bereichern. Denkbar sind hierbei Konzepte wie z.B. “Flipped Classroom” bei der die Wissensvermittlung online, das Vertiefen und Üben aber zusammen mit dem Dozierenden stattfindet. Wir wollen, dass die Aufzeichnung von Vorlesungen Standard wird (Stichwort “MobileLectures”)! Zusammen mit einer besseren Dokumentation der Inhalte von Veranstaltungen, bspw. in Form von über Stud.IP zur Verfügung gestellten Skripten – dies unterstützt nicht zuletzt die eigenständige Nachbereitung der Studierenden.

Wir wollen dabei verhindern, dass im Dschungel der unterschiedlichen digitalen Lehrformaten die Lehrinhalte verloren gehen. Wir brauchen deswegen ein uniweites einheitliches Konzept zur digitalen Lehre, an dem sich Studierende und Dozierende orientieren können. Damit diese Angebote allen offen stehen, wollen wir außerdem, dass alle Studierende (und Dozierende) mit der nötigen Lehr- und Lernsoftware ausgestattet werden.

Darüber hinaus sollen Verwaltungsabläufe optimiert und ins digitale verlagert werden. Die Corona-Krise hat gezeigt, wie sehr die Uni-Verwaltung noch auf analoge Abläufe angewiesen ist – das muss sich ändern! Die Durchführung von Prüfungsleistungen, die Abgabe von (Abschluss-)Arbeiten und allgemeine Verwaltungsabläufe wie z.B. die Aktualisierung oder Neubeantragung von Semesterunterlagen müssen auch digital ermöglicht werden. Der analoge Weg muss dabei aber immer weiterhin offen stehen.

Wer wir sind? AStA für Alle!

Die linke Bündnisliste „AStA für Alle“ wurde vor mittlerweile über 30 Jahren mit dem Ziel gegründet, den AStA zu einem Aktivposten für den Anspruch „Bildung für Alle“ und Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung zu machen. Gemeinsam kämpfen wir für echte Chancengleichheit, gute Studienbedingungen und einen lebenswerteren Campus. Wir wollen, dass alle – ob aus reichem oder armem Elternhaus – den gleichen Zugang zu Bildung haben. Das bedeutet: keine Studiengebüh- ren, angemessenes BAföG und freien Zugang zu Bachelor und Master. Wir wollen ein solidarisches Miteinander auf einem Campus, auf dem man sich gern aufhält. Also: gute Betreuung durch die Profs, studierendenfreundliche Öffnungszeiten von Mensa und Bibliotheken und weg mit dem ewigem Grau an der Uni – und mit Braun erst recht! Dafür kämpfen wir: im Akademischen Senat, in den Stugen und im Studierendenrat.

Dabei haben wir nicht alle die gleiche Weltanschauung. Was uns verbindet, ist das gemeinsame Interesse an einer politisch handlungsfähigen Verfassten Studierendenschaft auf der Grundlage einer aktiven Interessenvertretung. AfA besteht aus zahlreichen aktiven Studierenden, die den verschiedensten Studiengängen und Fachbereichen angehören, von Erstsemester-Studierenden bis hin zu Examenskandidat*innen.